Zinskommentar KW 36 -2020

02.09.2020 - Crestfinanz - Newsletter -

Der Inflationstrend setzt die EZB unter Druck

In Anlehnung an die Information von letzter Woche bezüglich der Inflationsdaten und Währungsstärke, zeichnet sich ein Bild des weiterhin immer stärker werdenden Euros gegenüber einer Abschwächung des US-Dollars und einem weiteren Verfall der türkischen Lira ab.
Die Inflation in der Euro-Zone ist im August deutlich gesunken. Die Verbraucherpreise sanken um 0,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag schätzte. Noch im Juli hatte die Inflation bei 0,4 Prozent gelegen. Seit 2016 ist diese erstmals negativ, was auch einige Experten schon modellhaft prognostiziert hatten. Die schwachen Inflationszahlen sind eine schlechte Nachricht für die Europäische Zentralbank. Sie strebt eine Inflation knapp unter zwei Prozent für den Euroraum an. Dieses Ziel verfehlt sie jedoch schon seit langer Zeit. Die EZB kauft in großem Umfang Staatsanleihen der Euro-Länder, um die Inflation anzuschieben und die Wirtschaft in der Coronakrise zu stabilisieren. Derzeit entfernt sich die Inflation aber weiter von ihrem Ziel.
„Der Inflationstrend zeigt nach unten. Das setzt die EZB vor ihrer Ratssitzung am 10. September unter Druck,“ kommentiert Frederic Ducrozet, Ökonom beim Schweizer Vermögensverwalter Pictet.
Für besonders bedenklich hält er vor allem die besonders geringen Preissteigerungen bei Dienstleistungen. Dort lag die Inflation bei 0,7 Prozent – und damit auf einem historischen Tiefstand.Die schwachen Inflationszahlen hängen auch mit Sondereffekten zusammen. So hat in Deutschland die Bundesregierung die Mehrwertsteuer im Kampf gegen die Corona-Rezession bis Ende des Jahres vorübergehend gesenkt. Den regulären Steuersatz reduzierte sie von 19 auf 16 Prozent, den ermäßigten Satz von sieben auf fünf Prozent. Zudem wurde der Sommerschlussverkauf in Italien und Frankreich verschoben, was ebenfalls einen dämpfenden Effekt hatte.
Besonders stark fielen die Energiepreise mit einem Minus von 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hier macht sich der niedrige Ölpreis bemerkbar. Auch Industriegüter ohne Energie wurden um 0,1 Prozent günstiger.Es wird bereits jetzt erwartet wegen schwachen Inflation, dass die EZB ihre Anleihekäufe im Dezember noch einmal ausweiten wird, um wahrscheinlich 500 Milliarden Euro. Zuletzt hatte sie die Käufe im Juni um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro ausgeweitet.
Das wiederum wird erneut für eine flache Zinskurve sorgen und somit auch unserer Erwartungshaltung gerecht, dass wir im Finanzierungsbereich weiterhin attraktive Konditionen für Ihre Kunden gewährleisten werden.



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